Grabrede für Hermann Hüsken
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Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Weggefährten,
heute stehen wir hier an Hermanns Grab. Seine Nachkommen haben sich für ein Wiesengrab entschieden – schlicht, ruhig, eingebettet zwischen vielen anderen. Eine kleine Grabplatte trägt seinen Namen, so groß wie alle anderen auch. Und doch wissen wir alle: Hinter diesem Namen steckt ein Mensch, der so viel mehr war als das, was ein Stein zeigen kann.
Wenn ich hier stehe, frage ich mich: Was erzählt uns dieser letzte Ort über Hermann? Äußerlich ist er nun einer unter vielen – aber in unseren Herzen bleibt er einzigartig. Ja, Hermann hatte große Träume. Er wollte etwas Bedeutendes schaffen: als Baulöwe, als Geschäftsmann, als Gastwirt, als Mann mit vielen Geschichten, Erfolgen und vielleicht auch manchem Tiefgang. Und er hatte Menschen um sich, die ihn dafür bewunderten. Aber das Wichtigste bleibt die Frage: Hat er in all dem auch persönliches Glück gefunden?
Nach der Übernahme der Gaststätte „Hackford“ von Anneliese und Karl hat er uns jedenfalls eines geschenkt: das Gefühl, dass der Mittelpunkt unseres gesellschaftlichen Lebens weiterbestehen würde. Wir alle haben damals aufgeatmet – und wir wurden nicht enttäuscht. Hermann war ein Gastgeber mit Herz. Ein Mensch, der Türen öffnete und Menschen zusammenbrachte. Manchmal mussten wir ihn mit seinen vielen Projekten teilen, aber wenn er da war, war er wirklich da.
Ich erinnere mich besonders gern an die Gespräche mit ihm auf dem kleinen Podest gegenüber dem Tresen. Und an eine Nacht nach unserer Hauptveranstaltung 1994 – es war irgendwo zwischen Heute und Morgen. Hermann erwähnte, er müsse noch etwas in der Küche vorbereiten. Bei uns löste das sofort lautes Magenknurren aus. Er grinste und bot uns Rührei mit Speck an. Gisela sprang ihm zur Seite – und was dann folgte, war ein kleines Fest für alle Sinne.
Weil dieser Moment so unvergesslich war, wiederholten wir ihn im nächsten Jahr zu Karneval. Und aus einer spontanen Idee wurde eine Tradition: das „Eierbraten bei der Lieblichkeit“. Eine Tradition, die auf Hermanns echter Zuneigung zu unserem Karnevalsverein basiert und die bis heute unseren Verein prägt. Dieses „Gebäude“, das er geschaffen hat, wächst weiter – Jahr für Jahr – ganz ohne sein Zutun, aber niemals ohne seine Handschrift.
Auch als Unternehmer hat er den Karneval unterstützt: Herren- und Damensitzungen hat er ausgerichtet, und er hat unseren Verein durch seine Förderung gestärkt. Dafür bin ich ihm von Herzen dankbar.
Lieber Hermann, lieber Namensvetter im Karneval: Du hast etwas hinterlassen, das bleibt. Etwas, das uns verbindet. Und manchmal, während meiner Büttenreden, habe ich in deinen Augen mein eigenes Spiegelbild gesehen. Es war ein Blick des Verstehens, der Nähe, der gemeinsamen Freude.
Hermann, wir behalten dich in Erinnerung – als Freund, Gastgeber, Unterstützer, als jemand, der uns oft ein Lächeln geschenkt hat.
Mach’s gut, mein Freund.
Wir sehen uns.
Erinnerungen von Egon van Lierop
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